Wollgras ist das einzige Gras, das im Juni aussieht, als hätte es geschneit. Nach der unscheinbaren Blüte im Frühjahr bilden sich weiße, wattige Fruchtstände, die wochenlang über dem Beet schweben. Dafür stellt es eine Bedingung, die man kennen muss: Es will nass stehen.
Was das Wollgras braucht – und was es dafür gibt
Größe und Auftritt
Eriophorum angustifolium, das Schmalblättrige Wollgras, wird 40 bis 60 cm hoch und 30 bis 40 cm breit und wächst locker horstig. Die Blüte selbst im Mai bis Juli fällt kaum auf – der Auftritt kommt danach, wenn sich die Fruchtstände zu den charakteristischen weißen Wollschöpfen entwickeln. Sie halten sich mehrere Wochen und leuchten besonders im Gegenlicht.
Der Boden entscheidet alles
Wollgras stammt aus Hoch- und Niedermooren. Es braucht feuchten bis nassen, sauren bis neutralen und humosen Boden – und genau daran scheitern die meisten Versuche. In normaler Gartenerde, die im Sommer abtrocknet, verkümmert es innerhalb einer Saison.
Passende Plätze: Moorbeet, Sumpfzone am Teich, dauerhaft nasse Senke, Pflanzgefäß ohne Abzugsloch. Wer keinen solchen Standort hat, kann sich einen bauen – ein Kübel ohne Loch, gefüllt mit torfreduziertem Moorbeetsubstrat und mit Regenwasser gegossen, reicht völlig. Gießen Sie kein kalkhaltiges Leitungswasser, das hebt den pH-Wert und schadet der Pflanze auf Dauer.
Standort, Pflege und Winter
Wollgras steht sonnig bis halbschattig; in der Sonne wirken die weißen Fruchtstände am stärksten. Winterhart ist es bis etwa −25 °C. Gedüngt wird nicht – es ist auf nährstoffarme Moorböden eingestellt und reagiert auf Dünger mit weichem, kippendem Wuchs.
Der Rückschnitt gehört ins Frühjahr: alte Halme bodennah abschneiden, bevor der Neuaustrieb kommt. Die Pflanze bildet kurze Ausläufer und breitet sich im passenden Substrat langsam zu einer Fläche aus – im Moorbeet ist das erwünscht, im Kübel begrenzt es sich von selbst.
Für eine wirkungsvolle Gruppe rechnen Sie mit sieben bis neun Pflanzen pro Quadratmeter. Einzeln gesetzt geht der Effekt verloren; die Wollschöpfe wirken erst in der Menge.
Wollgras am Teich kombinieren
In derselben nassen Zone stehen die Zwerg-Binse mit ihren dunkelbraunen Blütenköpfchen – der stärkste Kontrast zum Weiß – und die Sumpf-Wolfsmilch. Eine Stufe trockener, am Übergang zum Beet, passen Seggen und Pfeifengras, das aus derselben Feuchtwiese kommt. Für Blüte im Halbschatten sorgen Prachtspieren.
Häufige Fragen zum Wollgras
Kann ich Wollgras im normalen Beet pflanzen?
Nein, das geht auf Dauer nicht gut. Es braucht dauerhaft feuchten, sauren Boden. Im normalen Staudenbeet trocknet es im Sommer aus und geht ein. Ein Moorbeet oder ein Kübel ohne Abzugsloch ist der einfachste Weg.
Wann kommen die weißen Schöpfe?
Ab Juni, nach der eigentlichen Blüte im Mai bis Juli. Sie halten sich mehrere Wochen und vergehen erst im Hochsommer.
Warum wird mein Wollgras gelb?
Meist zu kalkhaltiges Gießwasser oder ein zu hoher pH-Wert im Substrat. Gießen Sie mit Regenwasser und verwenden Sie Moorbeeterde. Der zweite häufige Grund ist Trockenheit – der Boden darf nie ganz abtrocknen.
Ist Wollgras heimisch?
Ja, das Schmalblättrige Wollgras kommt in Mooren und Feuchtwiesen in Mitteleuropa natürlich vor. Im Garten ersetzt es diese Standorte nicht, aber es bringt deren Bild in ein Moorbeet.



